Rhauderfehn zwischen Moor und Meer

Freundliche Menschen, alte Kirchen, stolze Mühlen, fast endlos lange Kanäle, kleine Seen, Wallhecken, Moor und weites Land, frische Luft und gesundes Klima - die Gemeinde Rhauderfehn hat einige gute Argumente an der Hand, um sich um die Gunst Erholungssuchender zu bemühen. Für die Einwohner der Fehngemeinde heißt das: Sie leben dort, wo andere ihren Urlaub verbringen. Zum 1. Januar 1973 entstand die Gemeinde Rhauderfehn durch die niedersächsische Verwaltungs- und Gebietsreform. Zehn früher selbstständige Gemeinden wurden im Rahmen dieser Reform zu einer Verwaltungseinheit zusammengeschlossen. Die einzelnen Ortsteile sind geprägt von unterschiedlichen Geschichten und sie blicken auf ein unterschiedliches Alter zurück. Aber sie sind zusammengewachsen zur "Gemeinde zwischen Moor und Meer". Diese Selbstcharakteristik mag Außenstehenden vielleicht etwas verwundern, weil die Entfernung bis zur Nordseeküste etwa 100 Kilometer beträgt. Aber die Kanäle, die einen guten Teil der Gemeinde noch immer kennzeichnen, dienten nicht nur zur Entwässerung, sondern stellten zudem die Verbindung zwischen Moor und Meer her. Das hat sich bis jetzt nicht geändert. In früherer Zeit war das für den Handel von großem Belang. Darauf nimmt das Wappen der Gemeinde Bezug: Es ist eine Verbindung zweier Symbole , dem Anker und dem Stab des Merkur, dem römischen Gott des Handels. Langfristig angelegte Politik und vorausschauende Planung sind für alle Kommunen unabdingbar. Das hat seine Gültigkeit natürlich auch für Rhauderfehn. Dadurch das weitblickend geplant worden ist , hatte die neue 103 Quadratkilometer große Gemeinde gute Chancen zur Entwicklung, die auch fortgesetzt wird. Seit der Zusammenlegung wuchs die Einwohnerzahl von 12.983 auf ca. 17.000. Das kann sowohl an den zahlreichen neuen Wohngebieten abgelesen werden, als auch an den Schulen, die ausgebaut und vergrößert werden mussten, und an der deutlichen Zunahme von Handel und Gewerbe in der Gemeinde. Das Gewerbegebiet im Ortsteil Rhaudermoor wurde hierbei zu einem Kernstück dieser Entwicklung. Auf der anderen Seite kommt aber auch in unserer Fehngemeinde dem Fremdenverkehr eine immer größere Bedeutung zu. Lange Zeit dominierten in Ostfriesland die Insel und die Nordseeküste in den Urlaubsplanungen der Erholungssuchenden speziell aus dem Ruhrgebiet. Erst langsam wurde auch die Region, die etwas weiter von der Küste entfernt ist, als lohnendes Ziel entdeckt. Gezielte Fremdenverkehrs-förderung brachte Erfolg mit sich. Auch die Gemeinden im südlichen Ostfriesland stellten sich verstärkt auf die veränderten Bedingungen ein, richteten Informationsbüros für Touristen ein, entwickelten eine gemeinsame Strategie, warben in der Bevölkerung um Unterstützung in der Form, dass sie Ferienwohnungen und Häuser bereitstellten. Dies stieß zunächst eher auf gewisse Skepsis, die aber schnell verflog, als die Nachfrage immer größer wurde und die Einwohner gute Erfahrungen gemacht hatten. Inzwischen ist der Fremdenverkehr nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Fehntjer von wirtschaftlichem Interesse und damit selbstverständlich geworden. Die Gemeinde Rhauderfehn verfügt über eine gut ausgeglichene Altersstruktur, mit der Zunahme von Neubaugebieten tritt sogar eine Verjüngerung ein. Über 60 Prozent der Einwohner gehören der evangelisch-lutherischen Kirche an, 24 Prozent sind römisch-katholisch, vier Prozent reformiert und zehn Prozent verteilen sich auf verschiedene Konfessionen. Die Kirchen sind nicht nur Wahrzeichen der einzelnen Ortsteile, sondern sie spielen im öffentlichen Leben eine nicht unwichtige Rolle. Insgesamt entwickelte sich die Gemeinde Rhauderfehn seit 1973 schnell. Dabei behielten die einzelnen Ortschaften ihren eigenen Charakter mit einem eigenständigen dörflichen Leben, Freiwillige Feuerwehren und Vereinen, Spielmannzügen und Sportvereinen, kirchlichen Gruppen, Dorfgemeinschaftshäusern und Festen. Man kann unsere Gemeinde aus unterschiedlichen Blickpunkten betrachten: historisch oder aktuell, als Urlauber und als Einwohner. Rhauderfehn hat Idylle zu bieten, Lebendigkeit und kleine Szenen, die sich einprägen. Man kann Rhauderfehn mit dem Rad erfahren oder vom Paddelboot aus betrachten, den Blick von der Galerie einer Windmühle schweifen lassen. Es lohnt sich der Museumsbesuch ebenso wie eine Fahrt ins Moor, und man wird erstaunliche Unterschiede feststellen in der Landschaft, bei der Besiedlungsform und den einzelnen Ortschaften. Die Gemeinde zwischen Moor und Meer ist in jeder Hinsicht vielfältig. Es lohnt sich, sie mit Aufmerksamkeit zu betrachten.