Ostergruß vom Bürgermeister Geert Müller

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

ich habe in den vergangenen Tagen eine WhatsApp-Nachricht erhalten mit einem Bild eines Grabes an der ein großer Stein weggerollt war. „Ausgangssperre zu Ostern hat noch nie funktioniert“ stand unter dem Bild. Ich habe geschmunzelt. Aber es hat mich auch nachdenklich gemacht. Was erwartet die Osterbotschaft in diesen Zeiten von mir, was erwartet sie von uns allen? Ich denke, dass Worte wie Nächstenliebe, Toleranz, Rücksicht und Zuversicht eine große Rolle spielen. Wir haben unterschiedliche Talente, verschiedene Lebenserfahrungen und Träume. „Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andren zu“, so nennt man die „Goldene Regel“. Mit meinen heutigen Lebenserfahrungen und meinen erwünschten Lebensperspektiven kann ich recht spontan eine Meinung finden, was das für mich aktuell bedeutet. Heute bin ich ein 54-jähriger Familienvater. Was wäre, wenn ich heute ein 79-jähriger Großvater wäre. Was würde die „Goldene Regel“ dann für mich bedeuten? Wenn ich mich in meine Kindheit zurückversetzen würde, bin ich der kleine Kicker beim VfB Rajen, der nur mit unbeschwerten Fußballkameraden spielen will. Möchte ich mich als junger 27-jähriger Mensch nicht einfach ausprobieren, eigene Grenzen erleben, Lebens- und Liebesglück finden? Verschiedene Lebenserfahrungen und Lebensperspektiven und doch jeweils mit dem Anspruch nach der „Goldenen Regel“ zu leben. „Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andren zu“. Ich bin davon überzeugt, dass der weit überwiegende Teil unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger auch in diesen Zeiten nach der „Goldenen Regel“ lebt. Die „Goldene Regel“ und die Bewertung von Meinung und Verhalten anderer gebietet es aber, dass wir bei der Beurteilung von Lebensrisiken und Lebenschancen einer Gesellschaft nicht allein unsere derzeitige Lebensperspektive einnehmen dürfen. Das ist zwar menschlich verständlich aber zumindest ein wenig egoistisch. Das gilt gleichermaßen für mich, ob ich nun der 7-jährige Fußballer, der 27-jährige Verliebte, der 54-jährige Familienvater oder der 79-jährige Opa bin.

Vor diesem Hintergrund der verschiedensten Lebensphasen, Lebenschancen und Lebensrisiken haben unsere verantwortlichen Politiker in Leer, Hannover und Berlin Prognoseentscheidungen zu treffen. Das ist ein wenig wie Wetten auf die Zukunft abzuschließen. Prognoseentscheidungen sind die schwierigsten Entscheidungen eines Lebens. Man kann daneben liegen, wie viele Ehescheidungen eindrucksvoll belegen. Das ändert aber nichts an dem Anspruch das Richtige gewollt zu haben. Mit einer entsprechenden Nachsicht sind dann die Entscheidungen auch zu bewerten.

In dem Fernsehfilm „Der Unterhändler“ wird einem gefangenen Spion angesichts der bevorstehenden Vollstreckung der Todesstrafe die Frage gestellt, ob er sich denn keine Sorgen machen würde. Seine Antwort war: „Würde es denn helfen?“. Ich finde Frage und Antwort hochaktuell. Sorgen würden helfen, wenn durch das vernünftige sorgenbedrückte Gespräch das Verhalten von Sorglosen zu mehr Rücksicht führen würde. Aber im Übrigen gilt: Wir haben unterschiedlichste Talente, Erfahrungen und Kenntnisse. Lassen Sie uns in dieser schwierigen Zeit weiter dazu beitragen, die Talente dort einzusetzen, wo sie uns helfen, damit wir zuversichtlich nach vorne schauen können. Manchmal kann diese Zuversicht einfach nur durch eine WhatsApp ausgelöst worden sein, die zu einem Schmunzeln und zum Nachdenken geführt hat.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Frohe Ostern